Starke Frauen
Starke Frauen in der nordischen Mythologie: Göttinnen, Kriegerinnen und MagierinnenHier kommt die...

Eine Depression kann das ganze Leben verändern.
Dinge, die früher selbstverständlich waren, werden plötzlich schwer. Der Alltag kostet Kraft. Soziale Kontakte werden weniger. Ängste nehmen zu. Und manchmal funktioniert man nach außen weiter, obwohl es einem innerlich längst nicht mehr gut geht.
Wir haben in unseren Yogakursen und Yogaausbildungen schon unzählige Mal erlebt, wie Yoga Menschen mit Depressionen unterstützen kann. Die Zeit auf der Yogamatte öffnet einen Raum, in dem Leistung keine Rolle spielt. In dem wir unseren Körper wieder wahrnehmen, zur Ruhe kommen und lernen können, anders mit unseren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Yoga kann eine ganz neue Kraft freisetzen, kann enorm das Selbstvertrauen stärken.
Für Anna wurde genau das zu einem wichtigen Teil ihres Weges.
Heute unterrichtet sie selbst Yoga für Menschen mit Depressionen, traumasensibles Yoga und Yoga für Menschen mit Krebserkrankungen.
Doch angefangen hat ihre Geschichte an einem ganz anderen Punkt.
Viele Menschen erleben eine Depression vor allem als etwas, das sich in ihren Gedanken und Gefühlen abspielt.
In unserer Arbeit erleben wir jedoch immer wieder, wie wichtig auch der Zugang zum eigenen Körper sein kann. Wahrnehmen, atmen, sich bewegen und bewusst innehalten können dabei helfen, wieder mehr Kontakt zu sich selbst zu entwickeln.
Genau deshalb beschäftigen wir uns bei Unity Training seit vielen Jahren damit, wie Yoga, Meditation und Körperwahrnehmung Menschen dabei unterstützen können, sich selbst bewusster wahrzunehmen und einen anderen Umgang mit Gedanken und Gefühlen zu entwickeln.
Nicht nur in unseren Yogastunden.
Sondern vor allem in unseren Yoga-, YogaTherapie- und Achtsamkeitsausbildungen.
Anna ist eines besonders wichtig: über Depressionen zu sprechen, ohne sich dafür zu schämen.
Sie hat selbst erlebt, wie sehr psychische Erkrankungen noch immer verschwiegen werden. Im beruflichen Umfeld wird dann beispielsweise lieber von „Rückenschmerzen“ gesprochen als von einer Depression.
Ihre eigene Depression begann 2012.
Anna arbeitete damals als Entwicklungshelferin bei UNICEF und war für Krisengebiete zuständig. Dort erlebte sie vieles, das sie nicht einfach verarbeiten konnte. Gleichzeitig gab es bei ihr eine genetische Veranlagung.
Sie suchte sich psychiatrische und psychotherapeutische Unterstützung und nahm zeitweise Medikamente. Zunächst ging es ihr besser.
Doch 2017 folgte eine weitere schwere depressive Episode.
Anna funktionierte vor allem noch: für ihre Arbeit und für ihr Kind. Ihre Ehe und ihre sozialen Kontakte litten. Sie verließ kaum noch das Haus, ihre Zukunftsängste wurden immer stärker und schließlich kamen Suizidgedanken hinzu.
Anna nahm erneut professionelle Hilfe in Anspruch und wurde wieder medikamentös behandelt.

Für Anna wurde Yoga zu einem wichtigen Wendepunkt.
Sie beschreibt es rückblickend sogar als „viel wichtiger“ für ihren persönlichen Weg als die Psychotherapie – ausdrücklich als ihre eigene Erfahrung, nicht als allgemeine Empfehlung.
„Ich wusste von innen heraus: Ich muss Yoga machen und ich möchte Yoga machen.“
Am Anfang übte sie mit Yogavideos.
Und dabei machte sie eine Erfahrung, die sie bis dahin kaum kannte: Entschleunigung.
Die Zeit auf der Yogamatte wurde zu einer Pause von allem. Zu einem bewussten Aussteigen aus dem Hamsterrad.
Kein Funktionieren.
Kein Druck.
Keine Leistung.
Diese Momente empfand Anna als Befreiung und Erleichterung.
Mit der Zeit ging es für Anna um weit mehr als die körperlichen Übungen.
Sie beschreibt, dass sie sich durch Yoga zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich kennenlernen konnte.
Sie entwickelte eine neue Verbindung zu ihrem Körper und begann wahrzunehmen:
Was tut mir gut?
Was brauche ich gerade?
Wo überschreite ich meine Grenzen?
Und welche Entscheidungen treffe ich eigentlich für mich – und welche nur für andere?
Yoga wurde damit zu einer Praxis der Selbstwahrnehmung. Anna begann, ihr Leben nicht mehr ausschließlich nach den Erwartungen anderer auszurichten, sondern ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Depressionen spielen sich nicht nur „im Kopf“ ab.
Viele Betroffene erleben Veränderungen im ganzen Körper: Erschöpfung, Antriebslosigkeit, innere Unruhe oder das Gefühl, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren.
Yoga verbindet mehrere Ebenen miteinander:
→ Körper wahrnehmen
→ bewusst atmen
→ Bewegung erleben
→ Gedanken beobachten
→ zur Ruhe kommen
Dabei geht es nicht darum, schlechte Gefühle wegzumachen.
Es geht darum, wieder wahrzunehmen, was gerade da ist – und einen anderen Umgang damit zu entwickeln.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus ihrer Yogapraxis war für Anna der veränderte Umgang mit ihren Gedanken.
Sie erkannte:
Gedanken sind etwas, das ich habe.
Sie sind nicht automatisch das, was ich bin.
Diese kleine Unterscheidung kann einen großen Unterschied machen.
Denn statt jedem Gedanken automatisch zu folgen, kann man lernen, ihn zunächst wahrzunehmen.
Anna beschreibt, dass sie dadurch heute weniger im „Autopiloten“ lebt. Sie nimmt bewusster wahr, was in ihr und um sie herum geschieht.
Für sie ist genau das Yoga.
Anna möchte bewusst nicht davon sprechen, durch Yoga von ihrer Depression „geheilt“ worden zu sein.
Aber sie kennt sich heute sehr viel besser.
Dadurch erkennt sie erste Warnzeichen früher und kann reagieren.
Dann versucht sie beispielsweise:
→ Termine abzusagen und Belastung zu reduzieren
→ Yoga zu praktizieren oder zu meditieren
→ an die frische Luft zu gehen
→ ein Buch zu lesen
→ jemanden anzurufen und einfach zu reden
→ sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen
→ Dankbarkeit zu praktizieren
Für Anna bedeutet das vor allem, ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr ständig hintenanzustellen.
Aus Annas persönlicher Erfahrung entstand irgendwann ein neuer Wunsch:
Sie wollte das, was ihr selbst geholfen hatte, verantwortungsvoll an andere Menschen weitergeben.
Deshalb absolvierte sie bei Unity Training die Yogatherapie-Ausbildung.
Heute unterrichtet Anna Yoga für Menschen mit Depressionen, traumasensibles Yoga und Yoga für Menschen mit Krebserkrankungen.
Aus der eigenen Krise ist damit nicht einfach eine Erfolgsgeschichte geworden.
Sondern etwas vielleicht Wertvolleres:
ein sehr persönliches Verständnis dafür, wie wichtig ein achtsamer und respektvoller Umgang mit Menschen sein kann, denen es psychisch oder körperlich nicht gut geht.
Annas Geschichte ist eine persönliche Erfahrung.
Gleichzeitig beschäftigt sich auch die Forschung mit der Frage, ob Yoga Menschen mit Depressionen unterstützen kann.
Studien liefern Hinweise darauf, dass Yoga als ergänzende Maßnahme positive Effekte auf depressive Symptome haben kann. Das bedeutet nicht, dass Yoga eine Psychotherapie oder medizinische Behandlung ersetzt.
Die ganze Studie mit allen Ergebnissen findest du hier
Yoga kann einen Raum schaffen, in dem wir innehalten.
Unseren Körper wieder wahrnehmen.
Gedanken beobachten, ohne uns vollständig mit ihnen zu identifizieren.
Eigene Bedürfnisse früher erkennen.
Und vielleicht Schritt für Schritt wieder mehr Verbindung zu uns selbst entwickeln.
Anna fasst eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse so zusammen:
„Alles, was wir brauchen, um glücklich zu sein, haben wir in uns drinnen.“
Für sie hat diese Erfahrung schließlich sogar zu einem neuen beruflichen Weg geführt: Heute gibt sie Yoga an Menschen weiter, die selbst durch schwierige Lebensphasen gehen.


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