Macht Meditation glücklich?

Macht Meditation glücklich?

Spoiler: Ja, sie kann glücklich machen. Den Geist zu beruhigen und positiv auszurichten, ist eine der wichtigsten Kompetenzen in einer schnelllebigen, von Reizen überfluteten Zeit, in der unsere innere Welt kaum noch zur Ruhe kommt. Meditation ist dafür ein mächtiges und verlässliches Werkzeug.

Das Wunder der Meditation

Ich kann mich noch sehr genau an den einen Moment erinnern, in dem ich zum ersten Mal wirklich erfahren habe, was Meditation bedeutet. Es war in einer sehr speziellen Situation meines Lebens, einer heftigen Krise. Ich brauchte dringend etwas, um meinen mir immer wieder schmerzhafte Bilder, Gedanken und Gefühle einspielenden Geist zu beruhigen. Ich kannte Meditation bereits aus dem Yoga, auch das Gefühl der Leichtigkeit, das sich durch die meditativen Zustände in den Yogastunden einstellte, aber mit dieser Wucht einer Erfahrung in einer stillen und sitzenden Meditation hatte ich nicht gerechnet.

Es war ein Morgen, an dem ich mich regelrecht auf mein Kissen schleppte, innerlich wie gelähmt und gleichzeitig aufgewühlt und unglücklich, der Geist total unruhig und auf die schlimmste Art übergriffig. Ehrlich war Meditation meine letzte Hoffnung, der eine Strohhalm, zu dem ich noch nicht gegriffen hatte. Ich setzte mich also hin, schloss die Augen und wurde von der Wucht der inneren Bilder getroffen. Bilder, die ich auf der Intensivstation der Kölner Uniklinik eingefangen hatte, auf der zu der Zeit mein Vater um sein Leben kämpfte, außerdem war gerade zeitgleich die langjährige Beziehung mit meinem Lebensgefährten sehr abrupt und schmerzhaft zu Ende gegangen. Horrorfilme der allerfeinsten Art breiteten sich da auf meiner inneren Leinwand aus. Doch ich vertiefte meinen Atem und konzentrierte mich nur darauf, ein und aus zu atmen. So saß ich eine Weile, jede Einatmung innerlich mit dem Wörtchen „ein“ begleitend, jede Ausatmung mit dem Wörtchen „aus“. Das war alles. Mein Geist wurde nach und nach ruhiger.

Dann erschuf ich irgendwann innerlich das Bild eines Flusses, in dessen Mitte ich auf einem Felsen saß und der ganze Müll in meinen Kopf, diese ganzen destruktiven Bilder, Gedanken und Gefühle zogen im Flusswasser einfach an mir vorbei. Dort um mich herum floss der ganze Müll, doch hier oben auf dem Felsen war ich sicher und frei davon. Ich konnte die einzelnen Gedanken, Bilder und Gefühle im Wasser einfach beobachten, konnte sehen, wie sie auf mich zuflossen, an mir vorbeischwammen und hinter mir in die Ewigkeit hinwegrauschten. Ich saß da auf diesem Felsen völlig unberührt davon. In Gelassenheit. Schließlich breitete sich sogar ein tiefes Gefühl von Frieden in mir aus. Ich weiß noch, dass ich lächeln musste, obwohl meine Situation gerade ziemlich zum Heulen war. Doch im Moment der Meditation wurde mein Geist ganz ruhig.  Ich erlebte und verstand, dass ich nicht eins war mit diesem Gedanken-Unrat um mich herum, sondern dass ich ihn im Moment der Meditation einfach nur beobachten konnte. In mir öffnete sich ein Raum, in dem es still war, weit und friedlich. Ich war glücklich. Es war eine wirklich gewaltige Erfahrung vom tiefen Wesen der Meditation.

Meditation hat mir enorm durch diese Zeit geholfen. Bis heute, in guten wie in schlechten Zeiten, ist Meditation für mich eine fantastische und von allem anderen unabhängige Methode, mich positiv auszurichten und für meinen eigenen inneren guten Zustand zu sorgen. So gut, wie es eben möglich ist.

Zwei Schritte für einen glücklicheren Zustand

1) Richte deinen inneren Fokus auf etwas Neutrales 

Worauf richtest du deinen inneren Fokus? Auf die inneren Welten, die dich nähren und stützen oder auf das, was dich runterzieht? Meditation bedeutet, bewusst einen Fokus zu setzen, einen neutralen oder sogar einen positiven. Es ist ein Geistestraining, das dir hilft, Gegenentwürfe zum ständig plappernden Geist zu finden. Ist der ewig plappernde Geist erst einmal ruhig, macht sich der Raum auf für mehr. Doch um den Geist zu beruhigen, brauchen wir verlässliche Techniken, die uns helfen, in der Meditation den Fokus neutral auszurichten. Diese Techniken kommen aus der Achtsamkeit und da trainiert man vor allem, im Hier und Jetzt anzukommen.

Nimmst du erst einmal den gegenwärtigen Moment voll und ganz wahr und bist in deiner Ganzheit damit verbunden, ist da kein Platz mehr für destruktive Gedanken. Oder besser gesagt, dir wird vieles, was vorher vermeidlich wichtig war, plötzlich Wurscht. Versuche es gleich jetzt: sei dir einfach gerade kurz bewusst, wo du gerade bist, nimm den Boden unter dir wahr, den Stuhl, die Umgebung. Was siehst du?

Um Achtsamkeit aktiv zu üben kannst du gerne hier unsere Achtsamkeitsmeditation auf Youtube machen.

2) Fokussiere dich auf das, was dich glücklich macht
Ist der Geist über die Verbindung mit dem gegenwärtigen Moment ruhig geworden, bist du bereit, dich mit deiner Kraft zu verbinden. Der zweite Schritt ist also, den inneren Fokus auf etwas auszurichten, was dich nährt, was sich richtig gut anfühlt kurz, was dich glücklich macht. Über diesen Schritt, über diese Technik kannst du in die Fülle deines Lebens eintauchen. Eine der schönsten Techniken dafür ist das Fokussieren auf das, wofür du in deinem Leben dankbar bist.

Wofür bist du dankbar? Mache es gleich hier und jetzt. Verbinde dich mit dem wahren Reichtum deines Lebens, mit der Fülle und nimm sehr bewusst wahr, wie es sich in deinem Körper anfühlt. Dankbarkeit ist eines der schönsten Gefühle, die wir kultivieren können. Sie wischt Stress weg und lässt dich in ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit dir und deinem Leben kommen. Genau darum geht es in der Meditationsübung und genau deswegen macht sie glücklich. Wenn du gerade Zeit und Muße hast, schreib es gleich auf: drei Dinge, für die du dankbar bist. Und dann gehe für einen Moment damit in die Stille. Das kannst du auch wunderbar mit unserer Dankbarkeitsmeditation üben.

Gelassenheit macht glücklich
„Mehr Gelassenheit im Alltag“ ist einer der am häufigsten genannten Gründe, warum sich Menschen zu einem Meditationskurs anmelden. Und es ist oft auch er erste Effekt, der sich beim regelmäßigen Üben von Meditation einstellt. In jedem unserer Meditationskurse haben die Teilnehmer erstaunt darüber berichtet, dass sie im Alltag gelassener werden. Viele haben schon sehr viel versucht, um den Dingen im Leben mit mehr innerer Ruhe und mehr Gleichmut zu begegnen und hoffen inständig zu Beginn des Kurses, dass sie endlich mehr Gelassenheit kultivieren können. Und dann nehmen sie plötzlich wahr, dass sie im Alltag nicht mehr so schnell auf die Palme gehen. Dass sie, völlig ohne es zu forcieren, sich nicht mehr so schnell reizen lassen, sondern mehr in ihrer Mitte bleiben. Sogar Kollegen oder Familienmitglieder bemerken das und reagieren darauf, manchmal mit einem: „Was hast du denn eingeworfen?“ Nichts, das ist ja das Schöne. Meditation funktioniert ganz ohne Pille und ohne Nebenwirkungen.

Nur ein trainierter Geist ist ein glücklicher Geist  – Buddha

Meditation öffnet den Raum fürs Glück

Glück wird in unserer Gesellschaft oft als etwas Äußeres betrachtet. „Wenn ich dies und das mache oder habe, dann bin ich glücklich. Wenn ich erst mal diese Beziehung habe, diesen Job, diese Wohnung, dann endlich bin ich glücklich“. Die gute Nachricht: all das zu haben ist natürlich schön, aber das wahre, authentische Glück kannst du ausschließlich von innen generieren. Der Beweis: Unsere Welt ist voll von Menschen, die im außen alles haben und trotzdem nicht glücklich sind, denn der Geist ist viel zu sehr damit beschäftigt, das vermeidliche Glück im außen aufrecht zu erhalten. So haben wir niemals die Chance, das Glück da zu finden, wo es ist, wo es bereits auf dich wartet, nämlich tief in dir drin, an einem Ort der Stille, an dem bereits alles da ist, was du brauchst.

Meditation öffnet diesen Raum. Wie ein zuverlässiges Fahrzeug hilft sie uns, ihm Atemzug für Atemzug näher zu kommen und schließlich in ihm zu verweilen, ganz egal, was im außen passiert. Du kannst sofort anfangen, dein eigenes Glück zu trainieren, ganz alleine aus dir heraus. Meditation ist dabei eine große Hilfe.

Meditation und Wissenschaft
Das Thema Meditation und Wissenschaft ist ein mittlerweile unüberschaubares Feld geworden. Tausende Studien renommierter Forschungseinrichtungen belegen, wie gut sich Meditation auf unser Leben auswirkt.

Besonders Wissenschaftler wie Richard Davidson, Paul Ekman, Bruce Lipton, Elissa Epel und im deutschsprachigen Raum Tanja Singer und Ulrich Ott forschen zum Teil seit Jahrzehnten zu diesem Thema. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass regelmäßige Meditation geistige Verwirrung, Angst und Depression, Ärger und Müdigkeit senkt und dafür das Gefühl von Lebendigkeit und Glück signifikant steigern kann. Wenn dich das interessiert: Meditation und Wissenschaft ist ein großes Kapitel in unserem Buch Sixpack im Kopf – Meditiere dich stark und glücklich. Link

Eine besonders interessante Studie haben wir euch hier verlinkt: Tobias Esch, Professor an der Uni Witten Herdecke, hat in seiner Studie „Die neuronale Basis von Meditation und Achtsamkeit“  herausgefunden, dass Meditation auf vier Ebenen positiv wirkt: Aufmerksamkeitsregulation, Körperwahrnehmung, Emotionsregulation und Selbstwahrnehmung und dass wir über meditative Techniken direkt Einfluss haben auf die Ausschüttung von Glückshormone wie Dopamin und Melatonin, Stresshormone wie Cortisol und Noradrenalin dagegen werden gesenkt.

https://www.researchgate.net/publication/260037620_Die_neuronale_Basis_von_Meditation_und_Achtamkeit

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