Sunday for Nature

Sunday for nature – Warum ich das mache

Das hier ist der absolut persönlichste Blog, den ich bis jetzt geschrieben habe. Es bedeutet mir sehr, sehr viel, das hier ungefiltert mit euch zu teilen.

Im Januar ist mein Vater gestorben. Er war ein ganz besonderer, sehr weiser und zutiefst liebevoller Mensch, den ich für immer in tiefer Liebe in meinem Herzen behalten werde. Ich weiß, dass es meinen Kindern und vielen anderen genauso geht. Natürlich bin ich traurig, dass er nun nicht mehr bei uns ist und ich vermisse ihn unglaublich. Aber dass er gegangen ist, hat auch etwas in mir angestoßen. Denn bei aller Trauer ist mein Herz erfüllt von Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was er mir mitgegeben hat. Es waren so viele Geschenke, aber eines prägt mich bis heute besonders: die tiefe Liebe zum Wald, zur Natur. Und einen tiefen Bezug zu den eigenen spirituellen Wurzeln.

Mein Vater wollte eigentlich Förster werden. Als Kriegskind konnte er sich diesen Traum aber nie verwirklichen. Stattdessen wurde er Industriemeister und verbrachte sein ganzes berufliches Leben in Fabriken. Und die gefühlt andere Hälfte verbachte er im Wald. Seine Liebe und Verbundenheit zur Natur und auch zu den Wurzeln der eigenen Kultur hat er auf seine ganz eigene Art und Weise in die Herzen derjenigen gepflanzt, die dafür offen waren.

Ich war es. Ich sog das alles auf wie ein Schwamm. Der Wald war meinem Vater heilig, und so streiften wir so oft es ging durch die bergischen Wälder. Er hat mir den Zauber der Natur gezeigt, mir die Augen für das Wunder des Lebens geöffnet. Er hat mir Abend für Abend unsere Märchen vorgelesen, Geschichten, die tief in unserer Kultur wurzeln, die Mythen längst vergangener und vergessener Zeiten. Er erzählte mir von Zwergen und Elfen, von unsichtbaren Waldwesen. Ob er selber daran geglaubt hat, weiß ich bis heute nicht, aber es war wunderschön.

Und so standen wir an nebeligen Herbsttagen vor dichten Tannenwäldern, um im diesigen Dickicht der Bäume die Zwerge, Elfen oder andere Wesen zu entdecken.

Wir lauschten im Sommerwald stundenlang dem Konzert der Vögel und an

allen Heiligabenden meiner Kindheit und Jugend gingen wir statt in die Kirche in den Wald. Zur Dämmerung sind wir losgezogen, mit Fackeln die dunklen, manchmal schneebedeckten Wege entlang, manchmal vorsichtig und staunend, manchmal mit klopfendem Herzen. Es waren einzigartige, atemberaubende Momente, die sich tief in meine Seele gebrannt haben. Unvergesslich.

Was ich für mich durch all das mitgenommen habe ist, den Zauber dieser Welt zu verstehen, der jenseits unseres durchrationalisierten Lebens liegt. Zu verstehen, dass da nicht nur Holzlieferanten im Wald stehen, sondern Wesen. Zu verstehen, dass diese Erde ein unendlich kostbares Geschenk an uns ist.

Was ich erst sehr viel später verstanden habe (genauer gesagt erst seit ein paar Jahren, in denen ich mich intensiv mit den spirituellen Wurzeln unserer mittel- und nordeuropäischen Kultur beschäftigt habe): Das, was mein Vater mir damals vermittelt hat, diese Art, die Welt wahrzunehmen, ist alt, uralt. Sie reicht sogar zurück bis in die Jäger-Sammler-Kulturen und wurzelt damit in einer Zeit, in der die Menschen auch hier in Mittel- und Nordeuropa eine animistische Beziehung zur Welt hatten: der Glaube, dass alles beseelt ist. Tiere, Pflanzen, Berge, Flüsse, Meere, Orte, die Erde, einfach allem wohnt der „Hauch des Lebens“ inne, nicht nur uns Menschen. Und wenn es beseelt ist, kann ich damit in Beziehung treten, kann damit kommunizieren. Und genau das haben die Menschen auch hier bei uns Jahrtausende lang in schamanischen Praktiken getan: sie sind in Beziehung getreten.

Für dieses in-Beziehung-treten gab es viele Gründe. Es wurden Pflanzengeister befragt, um Heilkräuter zu finden. Es wurden Tiergeister gefragt, wo die großen Herden zu finden seien. Es wurden die Geister des Ortes befragt, ob sich der Clan niederlassen konnte. Es ging um Nahrung und Heilung, doch vor allem ging es in dieser Beziehung darum, das Gleichgewicht zu erhalten. Es ging um Nehmen und Geben, denn es galt, das Gleichgewicht zwischen allem Beseelten zu erhalten. Etwas zurückzugeben, wenn man etwas nahm, etwas Wertvolles von sich zu geben, zu opfern, war wesentlicher Bestandteil dieser Beziehung, denn dieses Gleichgewicht zu erhalten war überlebenswichtig. Ungleichgewicht brachte Unglück in Form von Hunger, Krankheiten, Naturkatastrophen.

Dass diese Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist, ich glaube, das fühlen, sehen und erleben wir alle. Und vielleicht geht es dir auch so, dass du dich angesichts der gewaltigen Ausmaße dessen manchmal ohnmächtig und hilflos fühlst. Doch ich glaube, dass jede noch so kleine Handlung, jede Art der bewussten Zuwendung aus dem Herzen heraus dazu beiträgt, unsere Beziehung zur Erde – und damit die Erde und auch uns – ein Stück weit zu heilen. Dass wir etwas zurückgeben können. Dass wir zurückzukommen sollen in die Verbundenheit. Dass wir moderne Art etwas geben, etwas „opfern“ von uns. Regelmäßig, jeden Sonntag. Und sei es „nur“ ein kurzes Innehalten, ein Geben deiner Zeit, ein Ritual, in dem du dein Herz öffnest und ein paar Atemzüge einfach ganz da bist für diese Erde. Oder das Aufsammeln von Müll in der Natur. Das Säen einer Blumenwiese für Bienen. Das Insektenhotel auf dem Balkon. Eine vegetarische Woche planen …. was auch immer das ist: Deine Zuwendung, deine Liebe zählt.

Die Idee hinter Sunday for nature hatte ich schon vor einem Jahr, im ersten Lockdown. Damals hat mich zutiefst berührt, dass die Natur sich regelrecht ausgebreitet hat in das plötzliche Innehalten der Menschen: Der Himmel war blauer, die Vögel waren lauter, die Tiere kamen näher, es war, als wollte die Natur uns sagen: ich bin noch da, schaut her, hört zu, fühlt mich. Doch wir waren mit Unity Training und den Herausforderungen des Corona-Alltags zu beschäftigt, ich hatte keine Kapazität, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Doch jetzt ist es so weit. Die Erinnerung an die Erlebnisse meiner Kindheit, angestoßen durch den Tod meines Vaters, haben mich wach gerüttelt und die Vision wieder aufleben lassen.

Wäre es nicht großartig, wenn wir uns in einem Kreis Gleichgesinnter miteinander verbinden könnten? Wenn wir uns, jeder für sich oder auch gemeinsam, jeden Sonntag der Erde zuwenden und etwas tun? Wenn wir die gleiche Intention, die gleiche Vision teilen und gemeinsam dafür gehen? Als ein kraftvoller und wirkungsvoller Kreis von Menschen, die einfach sonntags ihre Herzen öffnen und ein paar Momente ihrer Zeit „da“ sind.

Es ist ein Experiment, zu dem ich dich von Herzen einlade. Lasst uns gegenseitig daran erinnern, was für ein Wunder unser Planet ist. Ich habe vor, jeden Sonntag auf Instagram und Facebook unter unity training eine Erinnerung daran zu posten. Und träume davon, dass dieser Kreis bestand haben und wachsen möge.

Mein Geschenk und Inspiration für dich:

Meine neue Meditation „Die Kraft der Mutter Erde“.

Bleib verbunden

Nicole

1 Kommentar

  1. Barbara Walther

    Liebe Nicole,
    es berührt mich sehr, was du da schreibst. Bei mir war es der Großvater, der meine Liebe für die Natur und den Wald geweckt hat, und dessen Stimme ich immer noch hören kann, 30 Jahre nach seinem Tod. Deine wunderbare Idee des Sunday for nature werde ich aufgreifen und mit meinen Freunden teilen, auch mich schmerzt es sehr, den Wald in diesem traurigen Zustand wahrzunehmen.

    Kennst du die Bücher von Susanne Fischer-Rizzi? Schon in den 80ern erschien “Blätter von Bäumen” und gerade jetzt lese und arbeite ich mit ihrem Buch “Das Geheimnis deines Ortes – Eine Anleitung zum heimisch werden”. Ich könnte mir vorstellen, dass ihre Anregungen dir und deinem Anliegen sehr entgegen kommen.

    In diesem Buch fand ich folgendes Gedicht von Manuel Bandeira:

    Sei wie ein Fluss,
    der still die Nacht durchströmt.
    Die dunkle Nacht nicht fürchten.
    Die Sterne widerspiegeln, wenn welche am Himmel sind.
    und wenn Wolken den Himmel bedecken,
    Wolken, die Wasser sind wie der Fluss,
    auch diese widerspiegeln, ohne Schmerz,
    in den ruhigen Tiefen.

    Herzlich, Barbara

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