Yoga als Unterstützung in der Krebsheilung

Gespräch mit VANESSA WIEMANN

 

  • „Vollgas geben, 100% für die anderen – und ich kam da ganz am Ende dieser Kette.“

 

  • „Ich habe keine Pausen gemacht. Ich war eigentlich im Dauereinsatz – von morgens bis abends.“

 

  • „Ich möchte mich nicht nur diesem schulmedizinischen Prozess hingeben und diese Symptombehandlung machen, ich möchte auch selber was tun. Ich möchte das Gefühl haben, dass auch ich was zu sagen habe, dass ich meinen Heilungsprozess positiv beeinflussen möchte.“

 

 

Vanessa Wiemann ist seit Februar 2019 Kinderyogalehrerin. Ihre Ausbildung machte sie bei Unity Training mit der Intention, sich etwas Gutes zu tun. Inzwischen ist sie jedoch selbständige Yogalehrerin, da sie ihre Erfahrungen weitergeben möchte.

Sie setzte sich stark unter Leistungsdruck und nahm sich als Mutter von zwei kleinen Kindern kaum Zeit für sich selbst. Nach 8 Wochen Mutterschutz ging sie zurück ins Büro. Zusammen mit ihrem Mann planten sie den Familienbetrieb zu übernehmen.

 

Florian: Wann kam die Krebsdiagnose?

 

Vanessa: Als meine kleine Tochter 9 Monate alt war, bekam ich die Diagnose „einen extrem aggressiven bösartigen Tumor in der Brust“ zu haben. Ich wurde mit Todesängsten konfrontiert, da zahlreiche Lymphknoten befallen waren, ich fiel in ein tiefes Loch.

 

Florian: Wie war die Stresssituation vor der Krebsdiagnose?

 

Vanessa: Symptome wie flache Atmung, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Rastlosigkeit wurden festgestellt:

 

 

Florian: Wie ging es nach der OP weiter?

 

Vanessa: Die anschließende Therapie dauerte eineinhalb bis zwei Jahre: hochdosierte Chemotherapie, dann folgten 28 Bestrahlungen und ein Jahr Antikörper Therapie.

Nach der Diagnose Gendefekt wurden die Eierstöcke entfernt, dadurch wurde ich in die Wechseljahre versetzt. Später wurde diese Diagnose widerrufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Florian: Wie fühlt sich eine Krebssituation an?

 

Vanessa: Ich hatte keine Schmerzen, nach dem Abstillen entdeckte ich einen Knoten in der Brust, litt unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Der Rat der Ärzte ging in Richtung OP und Chemotherapie.

 

 

Florian: Wie ging es nach der Chemotherapie weiter?

 

Vanessa:  Ich wurde in einer anthroposophischen Klinik behandelt, die Schulmedizin und Komplemtärmedizin miteinander vereint.

Der Tumor wurde in der OP entfernt, die Therapie war effektiv, jedoch schlug sie aufs Herz.

Ich war sehr verzweifelt, weinte viel, lebte nur noch in der Angst und fühlte mich in ihr gefangen. In der Klinik wurde ich von einer Psychoonkologin betreut, die mir in meiner größten Angst half, Angst zu sterben, die Kinder nicht groß werden sehen und mit meinem Mann nicht alt zu werden.

Die Psychoonkologin empfahl mir ein Buch über Meditation mit einer Body Scan CD, die ich täglich machen sollte. Das war Neuland für mich.

 

Florian: Wie wurde die Ernährung umgestellt?

 

Vanessa:  Zucker generell und ein hoher Kohlehydratanteil in der Ernährung wurden weggelassen, da beide laut Studie nicht förderlich in der Behandlung seien.

 

Florian: Wie fühlte sich der Body Scan an?

 

Vanessa:  Mit Body Scan muss man sich mit dem Körper auseinandersetzten und ich fühlte, wie mir beim ersten Mal die Tränen der Befreiung über die Wangen flossen, ich wurde mir meines Körpers nach langem wieder bewusst. Von einer Ärztin wurde ich auf diesem neuen Weg der Meditation unterstützt. Ich stellte im Gespräch mit Krebspatienten heraus, dass die Krankheit immer mit Stress zu tun hat.

Ich wollte Yoga machen und fing mit Privatstunden zu Beginn der Chemotherapie an. Yoga war ein Game Changer für mich

Die Gedanken, die immer nur um die Krankheit kreisten, werden in der Yogastunde zur Seite gedrängt, ich war nur für mich selbst da. Durch die Atmung kam Ruhe in meinen Körper, die Emotionen wurde ruhiger, ich konnte mich selbst von der Angst befreien. Yoga half mir mit der Situation besser umzugehen.

 

Florian: Was wäre ohne Yoga nach Abschluss der Therapie geschehen?

 

Vanessa:  Das weiß ich nicht. Ich weiß jedoch, dass andere Patientinnen, die nicht nach innen sehen, in den alten Lebensmodus zurückkehren, deren Leben ändert sich nicht. Ich schlussfolgere, dass trotz der furchtbaren Zeit nicht nur ich, sondern auch die ganze Familie ihre Sicht auf das Leben änderte. Da war Yoga eine gute Hilfe. Ich zog innere Stärke, Selbstbewusstsein aus der Krankheit.

 

Florian: Wie kam es zur Yogalehrerausbildung?

 

Vanessa:  Mut machten machte mir meine Yogalehrerin und mein Ehemann. ich finde, das ist die beste Entscheidung in meinem Leben. Man sieht am Ende der zweijährigen Ausbildung, was für gestärkte Menschen vor dir stehen. Der Prozess der Verwandlung, des gestärkten Selbstbewusstseins ist beeindruckend. Die Weisheit der alten Yogaschriften findet man heutzutage in modernen Schriften wieder. Man entwickelt Dankbarkeit, Demut, Achtsamkeit im Alltag, das Schöne wahrzunehmen.

 

Florian: Wie half die Stressmanagementtrainer-Ausbildung im Heilungsprozess?

 

Vanessa:  Während der Stressmanagementtrainer-Ausbildung bei Unity Training wurde mir bewusst, dass ich die Warnsignale des Körpers vor der Krankheit ignorierte, ständig auf dem Gaspedal stand, keine Pausen machte und mich in der Negativitätsspirale befand. Es war der Autopilot, ich musste funktionieren.

 

Florian: Yoga bedeutet, in einem befreiten Zustand zu sein, da man weiß, wer man ist. Was bedeutet das für dich?

 

Vanessa:  Ich beschäftig sich intensiv mit meinem Leben. Ich hinterfrage und reflektiert, was ich mache. Yoga und Meditation haben gezeigt, dass ich den Wunsch habe, die Erfahrungen weiterzugeben, zu zeigen, dass man immer etwas Neues machen kann, in jedem Alter nochmal neu starten. Ich möchte den Menschen zeigen, dass man auch aus schweren Situationen gestärkt herausgehen kann. Ich habe das Gefühl, in der Mitte zu sein, mit beiden Beinen im Leben zu stehen, ich kann mich nach eigenen Vorstellungen und Wünschen weiter entwickeln.

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